Dienstag, 28. September 2010

Leben in Kolumbien


„Gringo!“, diese Bezeichnung hören wir oft, wenn wir durch die Straßen von Cali gehen. Dabei bedeutet dies so viel wie Ausländer und ist sicherlich nicht als Kompliment zu verstehen. Mit unseren zum größten Teil blonden Haaren und der hellen Haut fallen wir natürlich sofort auf. Selbst vollkommen ungewollt und ohne etwas zu tun, erregen wir in der Stadt schon große Aufmerksamkeit, denn Europäer, wie wir es sind, sieht man hier sonst gar nicht. Gelegentlich bleiben einige der Kolumbianer beim Vorübergehen stehen und schauen uns erstaunt hinterher. Einmal fragte uns eine Frau sogar, ob sie ein Foto machen könnte, auf dem wir uns zusammen mit ihrer Tochter aufstellen sollten. Schade daran ist, dass wir so leider immer wieder daran erinnert werden, dass wir von weit weg kommen und Fremde in Kolumbien sind.

Doch trotz alledem sind die Menschen hier sehr herzlich und bringen uns viel Offenheit entgegen. Viele grüßen uns mit einem freundlichen Gesicht und beinahe alle reagieren auf Fragen mit großer Hilfsbereitschaft. Das schlechte Bild, das viele von Kolumbien haben, ist zum größten Teil unbegründet. Konnotationen, die an Drogen, Kriminalität, Unsicherheit und Terrorismus denken lassen, sind nur auf einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung zurückzuführen und werfen zu Unrecht schlechtes Licht auf das gesamte Land.
So ging auch ich mit dem Gefühl, mich vielen Gefahren auszusetzen und auf viele Freiheiten, wie beispielsweise das unbeschwerte Fortbewegen im Alltag, verzichten zu müssen, nach Kolumbien. Zu meiner Überraschung konnte ich nach meiner Ankunft jedoch feststellen, dass von der Unsicherheit und der Unruhe wenig zu spüren ist und man sich mit bestimmten Verhaltensregeln relativ sicher fortbewegen kann. Dazu gehört, dass wir uns immer in kleineren Gruppen befinden, bestimmte Stadtteile oder Gegenden meiden und nie viel Geld oder Wertsachen bei uns tragen. Ein bisschen etwas sollten wir aber immer dabei haben, um im Fall etwas abgeben zu können.
Ganz unbedenklich ist der Aufenthalt wohl nicht, jedoch konnten wir in der ersten Woche schon Vieles auf eigene Faust erkunden.

Gefährliche Gegend?

Sonntag, 26. September 2010

Die erste Woche in Kolumbien


Noch vor 7 Tagen hieß es für mich: Das Abenteuer beginnt! Los geht die Reise ins ungewisse! Alles was ich bis dahin von Kolumbien wusste, basierte nur auf den vielen Geschichten, Erzählungen, Erwartungen, aber auch Ängsten. Nun ist die erste Woche um und ich konnte mir endlich einen ersten eigenen Eindruck von dem vollkommen neuen Umfeld machen. Es waren 7 Tage, die zum einen unheimlich schnell vergangen sind und spannend waren, andererseits aber gleichzeitig das Gefühl vermitteln, schon eine Ewigkeit gedauert zu haben. Eine Zeit, die mir einen ersten Eindruck von Cali geben und mich auf das noch Kommende vorbereiten sollte.

Von der Schule in Montebello
Dabei störte mich bis jetzt nur eine einzige Sache. Nämlich die Tatsache, dass es noch nicht richtig angefangen hat! Die Vorfreude und die Neugierde wachsen immer weiter und ich kann es kaum erwarten endlich mit der meiner eigentlichen Aufgabe zu beginnen.
Bisher haben wir die Tage größtenteils mit verschiedenen Vorbereitungen und der Eingewöhnung verbracht. Im Mittelpunkt stand die Besichtigung von verschiedenen Schulen, Waisenhäusern, Werkstätten oder Bibliotheken, da jeder Freiwillige seine eigene Projektstelle besuchen sollte, um sich schon mal vor Beginn darauf einstellen zu können. Da ich jedoch, als einziger aus der Gruppe, nach Cúcuta gehen werde, konnte ich an den Ausflügen nur als Begleitung teilnehmen. Erst am 4. Oktober, wenn jeder mit seiner eigentlichen Projektarbeit beginnt, werde ich dorthin fliegen, meine Gastfamilie kennenlernen und meine Schule besuchen können.
Bis dahin werden wir in kleiner Gruppen von jeweils etwa 4-5 Freiwilligen verschiedene Bauprojekte an dem „Colegio de las aguas“ durchführen. Dazu gehören das Bauen mit Bambus, die Begrünung der Anlage und die Errichtung von neuen Schulgebäuden. Das eigentlich angedachte Bauprojekt, die Regenbogenburg als Spielort für die Kinder, wurde leider um einige Monate nach hinten verlegt, da die Schulferien in Kolumbien kurzfristig verschoben wurden. Über das, was nächste Woche passiert, werde ich aber sicherlich in den nächsten Tagen genaueres berichten.

Eines der Bauprojekte
Im Kinderheim
und jetzt etwas älter
Selbstportrait
Gruppenfoto vor dem Gebäude
Doch was gibt es sonst noch zu der ersten Woche zu sagen? Ich möchte im Folgenden gerne noch einige Dinge herausgreifen, die mir in irgendeiner Weise aufgefallen sind oder zumindest ungewöhnlich erscheinen:

Zum einen muss man sich an das ständig wechselnde Wetter hier gewöhnen. In Kolumbien würde eine verlässliche Wettervorhersage nicht funktionieren. Denn wie bei uns im April, wechseln sich Sonne, Wolken und Regen beinahe im stündlichen Rhythmus ab. Einzig allein die Temperatur befindet sich durchgehend oberhalb 20 Grad (meistens aber um 30) und ist somit mehr oder weniger konstant, doch unterscheidet sich das Temperaturempfinden bei den unterschiedlichen Witterungslagen enorm. Denkt man im ersten Moment noch, man hält es in der Hitze nicht mehr lange aus, kann sich dies im nächsten Augenblick umkehren und man fängt fast schon an zu frieren. Insgesamt finde ich das Klima und gerade die Wärme aber trotzdem sehr angenehm.
Und auch nur so können die vielen verschiedenen Obstsorten wachsen, die es hier so zahlreich gibt und die den Hauptbestandteil meiner Ernährung bilden. Selbst der normale Supermarkt, der problemlos zu Fuß vom Kloster zu erreichen ist, bietet schon eine große Auswahl an frischen Früchten wie z.B. Mango, Maracuja, Papaya, Ananas, Avocado oder Passionsfrucht. Und die Liste könnte ich problemlos noch weiterführen…

Eine weitere Umstellung erforderte die kolumbianische Mentalität und vor allem die Unpünktlichkeit, die es einem verbietet sich mit der gewohnten Planung an die Tagesgestaltung zu machen. Wer sich auf eine genaue Uhrzeit festlegt, sollte darauf gefasst sein, immer eine Weile warte zu müssen. Wie oft saßen wir schon fertig gepackt und bereit um uns auf den Weg zu machen und mussten feststellen, dass es dauern würde bis wir unsere Motivation beweisen dürften. Irgendwas musste vorher noch gemacht werden, irgendwer fehlte noch oder aber das bestellte Taxi ist einfach noch nicht gekommen. Selbst bei dem offiziellen Treffen mit den Leitern der verschiedenen Projekte war zur vereinbarten Zeit noch niemand da und es dauerte noch mehr als eine Stunde, bis die Runde vollständig war. Daher werden wir Freiwilligen in Kolumbien sicherlich noch viel Geduld lernen (müssen) und etwas von der Lockerheit der Kolumbianer übernehmen. Doch auch die Kinder und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, sollen von uns lernen und sich eine gewisse Pünktlichkeit angewöhnen.

In Montebello
Aussicht aus Montebello
Gerne würde ich noch mehr Dinge ansprechen, die mir im Alltag aufgefallen sind, jedoch  würde das den Blogeintrag nur weiter in die Länge ziehen. Ich werde versuchen einiges in meinen nächsten Berichten nachzuholen, damit ihr euch ein besseres Bild von Kolumbien und den Gegebenheiten machen könnt. Bis dahin alles Gute!

Mittwoch, 22. September 2010

Projektbesichtigung in Montebello


Nachdem ich jetzt endlich die wichtigen Formalitäten geklärt habe, konnte ich die letzten beiden Tage nach Montebello fahren und schon mal andere Projekte kennenlernen

Das Abenteuer beginnt bereits mit der Fahrt dahin! Die Fahrzeuge, Straßen und der Fahrstil, haben wenig mit dem zu tun, was man von Deutschland gewohnt ist. Denn die einfachste und günstigste Möglichkeit nach Montebello zu kommen, ist es, in einem der Jeeps mitzufahren, die wie Linienbusse zwischen Montebello und dem Stadtzentrum umherfahren und die Leute von allen Punkten der Strecke aufsammeln. Sitzplätze gibt es nur auf der Ladefläche, auf der zwei Bänke längs der Fahrtrichtung aufgestellt sind, die gerade hoch genug sind, dass man darauf sitzen kann. Der einzige Schutz nach außen hin ist eine Plane, die als Dach vor Regen und anderem schützen soll.
Alles klappert, lockere Teile sind provisorisch mit Klebeband fixiert, jedes Schlagloch tut weh und die Anzahl der Plätze ist nach oben hin nicht begrenzt. Wer keine Möglichkeit mehr hat sich irgendwie dazwischen zu quetschen, klammert sich einfach von außen an das Auto und fährt, zur hälfte über das Auto ragend, mit. Bisher habe ich mich jedes Mal wieder  gefreut mit dem Jeep zu fahren, weil es einfach Spaß macht und einem das Gefühl gibt, Kolumbien zu erleben.

Hauptstraße von Montebello
 Angekommen in Montebello, war ich zunächst sehr erstaunt, denn nur wenige Kilometer vom Kloster entfernt herrscht eine vollkommen andere Umgebung: Die Straßen sind nicht mehr asphaltiert, die Wege sind aufgerissen, die Häuser wirken brüchig und heruntergekommen und die Umgebung ist chaotisch und dreckig. Trotzdem empfand ich den Aufenthalt als ansprechend und gemütlich, da die Stadt gleichzeitig in wunderschöner, unberührter Natur und inmitten von Bergen liegt, die mit Bäumen, Pflanzen und Sträuchern beinahe komplett grün bewachsen sind.

Häuser im Grün
Zusammen mit Thomas, Alexandra, Hannah und Elena, 4 anderen Freiwilligen aus Deutschland, habe ich dort heute den Vormittag verbracht. Wir waren an 2 Schulen und einer Bibliothek, wo später andere Weltwärtsler arbeiten werden, um einen Eindruck von möglichen Einsatzstellen zu bekommen.
Wir haben eine Unterrichtsstunde einer dritten Klasse besucht, mit den Kindern gespielt und uns die jeweiligen Schulgebäude angeschaut. Es war ein wirklich schöner Tag und hat richtig Spaß gemacht, weil die Kinder einfach klasse waren. Wir wurden sehr herzlich von allen begrüßt und von allen Kindern umarmt. Insgesamt hat mir der Tag die Vorfreude auf mein Projekt in Cúcuta nochmal vergrößert!

Montag, 20. September 2010

Endlich angekommen!

Endlich ist es soweit! Mir geht es gut und ich bin gestern Morgen, trotz großer Verspätung, glücklich in Cali angekommen!

Mein erster Blick auf Kolumbien - noch aus dem Flugzeug
 Meine Reise verlief leider etwas unglücklicher als erwartet. Aufgrund einer mehrstündigen Verspätung des Fluges von Madrid nach Bogota, der Hauptstadt von Kolumbien, konnte ich den letzten Anschlussflug nach Cali nicht mehr rechtzeitig erreichen und musste in Bogota übernachten. Die Fluggesellschaft bot aber einen sehr guten Service und stellte ein Hotelzimmer, sodass ich am nächsten Morgen mit immerhin 3 Stunden Schlaf den ersten Flug nach Cali nehmen konnte. 
Um 9 Uhr morgens bin ich dann endlich bei den fast 20 anderen Freiwilligen angekommen und war von den bis dahin gesammelten Eindrücken von Cali einfach nur begeistert! Immerhin konnte ich wegen der Übernachtung bei meiner Ankunft, strahlenden Sonnenschein und angenehme 25Grad genießen und aus dem Auto schon mal etwas von der Stadt sehen!

In den Straßen von Cali

Die ersten Eindrücke von Cali waren schwüles Wetter, viele Menschen, chaotische Autofahrer und eine unheimlich gemütliche Atmosphäre, die durch die vielen Palmen und Bäume entsteht. Ganz besonders gefallen hat mir das Gefühl, eine vollkommen andere und vor allem interessante Umgebung um sich herum zu haben! Die Wetterumstellung, die anderen Menschen, die schöne Landschaft, aber auch das ganze Chaos und der Lärm!
Kurz nach meiner Ankunft habe ich mich dann mit den anderen Freiwilligen, die größtenteils schon ein paar Tage in Cali verbracht haben, auf den Weg in die umliegenden Supermärkte gemacht und erste Einkäufe erledigt. Das erste was ich mir geholt habe, waren einige der vielen exotischen und wirklich leckeren Früchte, auf die ich mich schon so lange im voraus gefreut habe! Und ich bin ganz bestimmt nicht enttäuscht worden ;)

Blick aus dem Kloster
Für die nächsten beiden Wochen werde ich zusammen mit den anderen Freiwilligen aus Deutschland in einem Kloster in Cali wohnen und mich in dieser Zeit auf mein Projekt vorbereiten. Die Klosteranlage ist insgesamt sehr schön. Jeder Freiwillige hat ein eigenes, kleines Zimmer, das obwohl es sehr einfach und bescheiden, zugleich auch sehr angenehm ist. In jedem Zimmer steht ein Bett mit einem darüber ausgehangenem Moskitonetz und ein kleiner Tisch. Ansonsten teilen sich die freiwilligen eine kleine Küche, einen Gemeinschaftsraum und Duschen/WCs miteinander. Die gesamte Anlage ist sehr bescheiden, wie beispielsweise die Duschen, die eisig kalt sind und nur einen kleinen Wasserstrahl geben, ähnlich wie aus einem Gartenschlauch. 

Blickfang auf dem Weg in die Stadt
  
 Die nächsten Tage hier in Cali werden zunächst organisatorisch verlaufen, da ich noch einige Dinge erledigen muss, bevor es richtig losgeht. Erstmal werde ich einen "Ausländerpass" für Kolumbien beantragen müssen, Versicherungsangelegenheiten klären, ein kolumbianisches Handy besorgen und die nahe Umgebung kennenlernen, wie z.B. Supermärkte, Bankautomaten, etc...
Ansonsten besichtigen wir Freiwilligen schon mal verschiedene Projektstellen in der Umgebung von Cali und bekommen kleinere Aufgaben zugeteilt. Für mich geht es jedoch erst am 4. Oktober los, wenn ich zu dem knapp 1000km entferntem Cucuta fliege, wo mein Projekt und meine Gastfamilie auf mich warten. Bis dahin bleibe ich hier im Kloster in Cali.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die nächten Tage verlaufen werden und freue mich darauf, neues berichten zu können!