Dienstag, 12. Oktober 2010

Cúcuta!


Die Zeit vergeht schnell! Seit etwas mehr als einer Woche bin ich nun schon in Cúcuta. Aus den 19 Mitbewohnern, die ich im Kloster hatte, sind jetzt 4 geworden, aus dem warmen und wechselhaften Wetter in Cali, heiße Temperaturen und strahlende Sonne, aus meiner Selbstversorgung mit den verschiedensten Früchten, typisch kolumbianische Küche und aus der Ungewissheit, was mich hier erwarten würde, endlich mehr Klarheit.

Vor meiner Ankunft galt der größte Teil meiner Hoffnungen und Bedenken der Gastfamilie, mit der ich das folgende Jahr zusammenleben würde. Schließlich sind es die Menschen, die mich in meinem Jahr ständig begleiten und mir als engste Freunde bei meinen Sorgen und Problemen zur Seite stehen werden.
Jetzt, nach der ersten Woche, kann ich beruhigt und zufrieden sagen, auf eine sehr herzliche und liebevolle Familie getroffen zu sein, die mich mit viel Offenheit aufgenommen hat und versucht mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich wohne für das Jahr zusammen mit Nelson und Carmenza, meinen Gasteltern, und Sebastian und Luna, meinen Geschwistern, die 8 und 4 Jahre alt sind. Auch wenn es nicht ganz einfach ist sich in einer anderen Familie einzufinden, fühle ich mich insgesamt wohl und freue mich schon auf die weitere gemeinsame Zeit.

Ansonsten hatte ich letzte Woche natürlich einige Tage Zeit, um mein eigenes Projekt kennenzulernen. Dabei finde ich das Lernkonzept, das hier angewendet wird,  besonders interessant, da es sich stark von dem Konzept einer normalen Schule unterscheidet. Die Kinder erhalten keine Noten für ihre Leistung, schreiben keine Arbeiten oder Klausuren und werden nicht in Schulklassen unterrichtet. Was im ersten Moment eigenartig klingt und viele Fragen aufwirft scheint gut zu funktionieren. Im Mittelpunkt steht nicht die Idee, dass der Schüler soviel Lernstoff wie möglich aufnimmt, sondern viel mehr seine Persönlichkeit. Es wird mehr Wert auf die persönliche Entwicklung und den Charakter der Schüler gelegt, als auf die eigentliche Lernleistung. Dem Schüler wird nichts aufgezwungen, sondern er soll Dinge nach seinem eigenen Rhythmus aufnehmen.
Am Ende eines jeden Quartals werden die vier Aspekte Arbeitseinstellung, Emotionen, Einfallsreichtum/Gedanken und Gruppenverhalten bewertet. Dies geschieht nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, durch die Zuordnung von Zahlen- oder Punktwerten, sondern durch gegenseitige Inbezugsetzung dieser vier Eigenschaften. Ein gutes Resultat entspricht einer ausgeglichenen Ausprägung, bzw. Harmonie dieser vier Aspekte. Hat ein Schüler beispielsweise eine ausgeprägte Arbeitseinstellung, gleichzeitig aber eine weniger starke Fähigkeit in der Gruppe zu kommunizieren, weil es ihm an Selbstbewusstsein fehlt, so würde dies für Unausgeglichenheit sprechen. Durch Gespräche mit Eltern und Lehrern würde dann auf Schwächen aufmerksam gemacht und gemeinsam versucht werden, daran zu arbeiten. So sollen die Schüler auf das Leben vorbereitet werden und sich Werten wie Selbstbewusstsein, Respekt und Toleranz bewusst werden.
Eine zwingend erforderliche Voraussetzung für die Umsetzung einer solchen Schulform ist meiner Meinung nach die vertrauensweckende und angenehme Lernatmosphäre der Schule. Die gute Beziehung zwischen Lehrern und Schülern fällt sofort auf. Alle gehen respektvoll und herzlich miteinander um, es werden zusammen Witze gemacht, es gibt keine Förmlichkeiten, es wird zusammen gegessen, gelacht, getanzt, gespielt, sich umarmt und das Miteinander wirkt wie in einer großen Familie. Gerade deswegen gefällt mir die Schule sehr.

Ich hoffe, dass ich schon mal einen ersten Eindruck von der Schule weitergeben konnte. Ich selber weiß bis jetzt leider nur sehr wenig darüber und bin schon gespannt zu erleben wie es tatsächlich funktioniert, bzw. umgesetzt wird. In meinen nächsten Einträgen werde ich näher darauf eingehen und dann auch von meiner eigentlichen Arbeit und meinem sonstigen Umfeld erzählen.


Leider hat es gerade mit dem Hochladen von Dateien nicht geklappt. Fotos aus den letzten Tagen folgen bei nächster Gelegenheit ...

Freitag, 1. Oktober 2010

Bauprojekt in Montebello


Nachdem wir letzten Woche noch die vielen Formalitäten klären mussten, die für den Aufenthalt in Kolumbien notwendig sind, hatten wir in dieser Woche endlich einen geregelten Tagesablauf mit fest zugeordneten Aufgaben. Seit Montag haben wir uns an der Schule in Montebello Bauprojekte vorgenommen, die das Schulgelände erweitern sollten. Aber bauen? Wieso machen wir denn sowas? Die Idee, die dahinter steckt, ist ganz einfach. Das Ziel in der Woche war es innerhalb der Gruppe den Zusammenhalt zu stärken und gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Gleichzeitig sollte dies eine Eingewöhnungsphase sein, in der wir uns an die neue Umgebung und das Klima gewöhnen konnten.

Schutz vor dem Regen unter der Überdachung

Doch leider hat die Umsetzung der Projekte in Montebello nicht ganz so gut geklappt wie erwartet. Nach den ersten drei Tagen, ist plötzlich mehr als die Hälfte der 20 Freiwilligen krank geworden und viele Projekte konnten nur langsam, oder in manchen Fällen sogar gar nicht, fortgeführt werden. Dazu kam noch, dass sich der Aufwand zum Teil als wesentlich größer als vermutet dargestellt hat und eine Woche auch bei voller Besetzung zu knapp gewesen wäre. Ich selber konnte mich immerhin darüber freuen, gesund geblieben zu sein und habe das Glück gehabt an einem Projekt mitzuarbeiten, das, obwohl wir es nicht ganz beenden konnten, insgesamt doch sehr erfolgreich verlaufen ist.

Meine Aufgabe war es, mit ein paar anderen Freiwilligen für die Kinder eine Tischtennisplatte zu bau. Was auf den ersten Blick einfach klingt, stellte sich als durchaus umständlich dar, vor allem da das Schulgelände extrem bergig ist und wir uns zu allererst eine ebene Fläche graben, bzw. haken mussten. Alleine dafür haben wir schon zwei volle Tage gebraucht. Um mich an dieser Stelle jedoch möglichst kurz zu fassen, versuche ich unsere Fortschritte mit Fotos zu dokumentieren:

Die ersten beiden Tage: hacken....
... und schaufeln
Den Untergrund plätten
Nochmal hacken und schaufeln
Mit Zement...
...Stahlstäbe fixieren
Das Fundament steht
Bambusstäbe als Tischfüße
Der Bambus wird einbetoniert
Die Form für die Tischtennisplatte wird gebaut...
... und aufgesetzt
 Leider mussten wir heute an dieser Stelle unsere Arbeit beenden. In den nächsten Tagen müsste dann nur noch der Beton angemischt und in die Form gefüllt werden. Die Stahlstäbe werden vorher in die Form gebogen und sollen dem Tisch mehr Stabilität geben. Wirklich schade, dass ich die Tischtennisplatte wahrscheinlich erst in einigen Monaten ausprobieren kann.